Artist Statement
In meiner künstlerischen Arbeit untersuche ich das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt, zu anderen Lebewesen und zu seiner eigenen Natur. Mich interessieren Widersprüche im menschlichen Verhalten und die Spannungen zwischen Individuum, Gesellschaft und Umwelt. Wie gehen wir miteinander um? Wie verhalten wir uns gegenüber der Natur und den Lebensräumen, in die wir eingebettet sind? Wie gehen wir mit unseren eigenen Instinkten, Trieben und Bedürfnissen um? Diese gesellschaftlichen und existenziellen Konflikte übersetze ich in unterschiedliche künstlerische Formen, die ich mitunter ins Absurde führe.
Ich begebe mich gern in Rollen oder entwickle Charaktere, durch die ich mich mit bestimmten Themen verbinden kann. Dabei setze ich mich bewusst Situationen aus, deren Verlauf oft nicht vollständig vorhersehbar ist. Neben diesen performativen Arbeiten, bei denen ich selbst ein aktiver Teil des Geschehens bin, entstehen Fotografien, Objekte und Installationen sowie Performances, in denen auch das Publikum selbst ein Teil der Handlung werden kann. Der Prozess ist für mich hier ebenso wichtig wie das Ergebnis.
Ein wiederkehrendes Motiv in meinem Werk sind „Wurmlöcher“. Ausgehend von meiner Beschäftigung mit Regenwürmern interessiert mich die Doppeldeutigkeit des Begriffs: der von einem Wurm geschaffene Tunnel als Lebensraum und das theoretisch-physikalische Phänomen eines Wurmlochs als Verbindung zwischen unterschiedlichen Bereichen der Raumzeit. Für mich ist das Wurmloch eine Metapher für verborgene Zusammenhänge und Wirklichkeitsebenen, die sich dem unmittelbaren Blick entziehen. Es steht exemplarisch für mein Interesse an dem, was unter der sichtbaren Oberfläche liegt.
Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Auseinandersetzung mit Krankheit, insbesondere mit ME/CFS und zusammenhängenden chronischen Erkrankungen. 2021 gründete ich gemeinsam mit meiner Partnerin Judith Schoßböck das Kunst- und Wissenschaftskollektiv „Black Ferk Studio“. Ihre schwere Erkrankung prägte unsere gemeinsame Arbeit. Judith verstarb 2024. Meine Beschäftigung mit Krankheit und Tod reicht jedoch weiter zurück und ist auch von früheren persönlichen Erfahrungen mit Krankheit und Verlust geprägt. Im „Black Ferk Studio“ befasse ich mich mit den Lebensrealitäten chronisch kranker Menschen sowie mit den sozialen, gesellschaftlichen und existenziellen Dimensionen von Krankheit. Mich interessieren dabei nicht nur Leid und Einschränkung, sondern auch die Erfahrungen, Fähigkeiten und Stärken der Betroffenen sowie die gesellschaftlichen Verhältnisse, die ihre Lebensbedingungen prägen.
Das Abenteuer ist für mich mehr als die Suche nach intensiven Erfahrungen. Es ist eine Haltung gegenüber dem Leben und der menschlichen Existenz: die Bereitschaft, sich auf Unbekanntes einzulassen, Unsicherheiten auszuhalten und sich auch mit jenen Seiten des Lebens und der Gesellschaft auseinanderzusetzen, die unbequem sind oder im Verborgenen bleiben.
„… Für Matthias Mollner ist sein Körper in der Verzahnung von Natur und Zivilisation ein performatives und artifizielles Objekt zugleich; er ist für ihn die Möglichkeit einer Zeitgeistdiagnose und Revolte gleichzeitig. Der Künstler selbst spricht im Zusammenhang mit Kunst von einem transformativen ,Weltverdauungsapparatʻ – ein heftiges Statement gegen eine ,posthumaneʻ cyberbasierte Zeitgeistgesellschaft.“
Carl Aigner. BODY # HOUSING # EARTH. Aus Matthias Mollner - EVOLUTION REVOLUTION. Verlag Edition mono/monochrom, 2019